Pilotabschluss in Baden-Württemberg

Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie: Beschäftigte erhalten 3,4 Prozent mehr Geld, Altersteilzeit wird fortgesetzt, Weiterbildung finanziell gefördert.

Die Tarifvertragsparteien in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie haben heute Nacht zum 24. Februar in der vierten Verhandlung auf einen Tarifabschluss geeinigt. Demnach steigen die Entgelte für die Beschäftigten in der Branche vom 1. April 2015 um 3,4 Prozent, zudem wurde eine Einmalzahlung von insgesamt 150 Euro vereinbart. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31. März 2016.

Außerdem gilt ab 1. April 2015 ein neuer Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente, der auch in Zukunft vier Prozent der Beschäftigten den vorzeitigen Ruhestand ermöglicht. Die neue Altersteilzeit wird an die neue Rentengesetzgebung 63/45 angepasst, untere Entgeltgruppen profitieren von höheren Aufstockungsbeträgen. Beschäftigte, die sich während ihres Arbeitslebens persönlich weiterbilden wollen, haben künftig nicht nur einen Anspruch auf Freistellung für Bildung, sondern in Absprache der Betriebsparteien auch auf finanzielle Förderung der Qualifizierungsmaßnahme analog zur Altersteilzeit.

Roman Zitzelsberger, IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer in Baden-Württemberg, bezeichnete das Tarifergebnis nach dem Verhandlungsmarathon bis zum frühen Dienstagmorgen als „zufriedenstellenden Kompromiss: Wir sind mit der festen Überzeugung angetreten, ein belastbares Ergebnis für alle drei Forderungen der IG Metall zu finden – das ist mit dem heutigen Abschluss gelungen.“ Die Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen beteilige die Beschäftigten angemessen an den Gewinnen der Unternehmen und sorge dafür, dass sie real mehr Geld in der Tasche haben. „Damit ist auch sichergestellt, dass der derzeit wichtigste Konjunkturmotor privater Konsum weiterhin auf Touren bleibt“, betonte Zitzelsberger.

Als entscheidenden Erfolg verbuchte er, dass es gelungen sei, die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber zu den qualitativen Themen Alters- und Bildungsteilzeit aufzulösen. „Südwestmetall hat sich mit seinen Vorstellungen zur Halbierung der Ansprüche auf Altersteilzeit nicht durchgesetzt, das hat uns allerdings viel Energie gekostet.“

Wie bisher können auch künftig vier Prozent der Beschäftigten eines Unternehmens in Altersteilzeit gehen, „und wie bisher steht dieses Instrument nicht nur Belasteten, sondern allen Beschäftigtengruppen offen“, so Zitzelsberger. Mit dem neuen Tarifvertrag sei es nicht nur gelungen, Altersteilzeit langfristig abzusichern und ein Auslaufen Ende März 2015 zu verhindern, sondern zudem einen Anschluss an die neue Rentengesetzgebung 63/45 herzustellen. „Angesichts der hohen Abschläge und des weiter sinkenden Rentenniveaus ist dies eine extrem wichtige Regelung, die es Beschäftigten ermöglicht nach erbrachter Lebensleistung im Beruf in Würde und abschlagsfrei in den Ruhestand zu gehen.“

Auch beim Thema Qualifizierung und dem Einstieg in eine geförderte Bildungsteilzeit habe die IG Metall große Fortschritte erzielt. Obwohl sich die Arbeitgeber monatelang der Finanzierung von persönlicher Weiterbildung widersetzt haben, ist es gelungen, ein entsprechendes Modell tarifvertraglich zu beschreiben. Für An- und Ungelernte sieht der Tarifvertrag vor, auf Basis eines festgestellten Bedarfs Programme für berufsqualifizierende Abschlüsse anzubieten. „Beides stärkt die Position unserer Betriebsräte und ist ein wichtiger Schritt, um bei Weiterbildungen Chancengleichheit herzustellen und die Aufstiegsmöglichkeiten für alle Beschäftigten zu verbessern“, sagte Zitzelsberger.

Wie es in NRW weiter geht, berichte ich später…

Benjamin Gruschka

Schnellmeldung zum Tarifabschluss in BaWü

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